Werbeverbot für die Veranstaltung „Selbstorganisation der Materie…“

Protestschreiben der Sprecher des wissenschaftlichen Beirats

An den Präsidenten der TU Hamburg
Prof. Dr. Hendrik Brinksma

Ihr Werbeverbot für die Veranstaltung „Selbstorganisation der Materie – Zur Rolle der dialektisch-materialistischen Methode und Weltanschauung in der Herausbildung einer Entwicklungstheorie der Materie “

Sehr geehrter Herr Präsident,

Wir haben erfahren, dass von Ihrer Universität ein Verbot der Werbung für die wissenschaftliche Diskussion am 17.11.2018 mit Prof. Dr. Christian Jooß zum Thema „Selbstorganisation der Materie – Zur Rolle der dialektisch-materialistischen Methode und Weltanschauung in der Herausbildung einer Entwicklungstheorie der Materie“ ausgesprochen worden ist. Prof. Jooß ist Mitglied unseres wissenschaftlichen Beirats. Die Offene Akademie organisiert regelmäßig Veranstaltungen zur kritischen Diskussion brisanter wissenschaftlicher Fragen und zu Lösungsansätzen für gesellschaftliche Herausforderungen, sie ist überparteilich und weltanschaulich offen – auf antifaschistischer Grundlage.

Die Dialektik und der Materialismus wurden von Hegel, Feuerbach und Marx entwickelt. Sie zählen zum Erbe der klassischen deutschen Philosophie, Kultur und Arbeiterbewegung. Sie müssen nicht mit Karl Marx einverstanden sein – aber es ist ein NoGo, seine Lehre zu unterdrücken. Immerhin hat anlässlich seines 200. Geburtstags sein wissenschaftliches Werk weltweite Würdigung erfahren.

Die Diffamierung dieser Diskussion erinnert an den Stil einer Wissenschaftsfeindlichkeit, für die heute gefährliche rechte und faschistoide Tendenzen (Trump, Orban usw.) stehen und gegen die hunderttausende Wissenschaftler und Hochschulangehörige im „March for Science“ weltweit auf die Straße gegangen sind. Es steht der TU Hamburg schlecht zu Gesicht, wenn sie sich in die reaktionäre Richtung einreihen würde. Angehörige Ihrer Universität und wissenschaftliche Referenten in die Nähe des Terrorismus zu bringen ist ein starkes Stück.

Die heutigen Zustände der Welt werfen auch Fragen nach der Tauglichkeit des gegenwärtigen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems auf. Da müssen Wissenschaftler und Studierende um fortschrittliche Lösungen ringen und ihren Beitrag leisten. Damit sie das können, brauchen sie die freie wissenschaftliche und politische Betätigung an den Hochschulen – was erklärtermaßen nicht für faschistische Richtungen oder religiöse Eiferer gelten darf.

Wir erwarten von Ihnen, dass Werbeverbote für diese und andere Veranstaltungen beendet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Hensinger (Stuttgart),
Christoph Klug (Recklinghausen),
Prof. Dr. Josef Lutz (Chemnitz)

 


Kategorie: Aktuelles, Proteste TU Hamburg

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