Erklärung der Offenen Akademie zu Angriffen von Vorstandsmitgliedern des „fzs“ auf die Offene Akademie und ihre Dozenten

Die folgende Erklärung wurde mit den Beiratsmitgliedern beraten und in der Kürze der Zeit von 17 Mitgliedern gezeichnet. Die Beiratsmitglieder bedauern, dass der fzs der Offenen Akademie eine Absage erteilt hat. Die Vorwürfe des Vorstands des fzs jedoch weisen sie als haltlos zurück.

Die Offene Akademie hatte in ihr Programm für die Wochentagung 2018 einen Vortrag eines Vertreters des studentischen Dachverbands „fzs“ („freier zusammenschluss von Student*innenschaften“) aufgenommen zum Thema „Das politische Mandat der Student*innenschaften“ (1). In Anbetracht der an Hochschulen gängigen Zensur – die freie politische Betätigung ist Studierenden untersagt – halten wir das Thema als sehr bedeutend. Zu unserem Bedauern wurde der Vortrag abgesagt.

Die Absage wurde von Seiten des Vorstands des fzs mit Attacken auf die Offene Akademie und auf Referenten verbunden (2). Statt mit uns die Diskussion zu suchen, wurde vor der Teilnahme an unserer Wochentagung gewarnt (3). Der „fzs“-Vorstand behauptet, dass die Offene Akademie durch Beiträge „mit Nähe zu Verschwörungstheorien (diesen) eine pseudo-wissenschaftliche Plattform“ gäbe. Zudem wird unterstellt, dass „einige Referent*innen (eine Nähe) zu antisemitischen Organisationen“ hätten und die Offene Akademie die Lösung für krisenhafte Entwicklungen im „Stalinismus“ sehen würde. Diese Behauptungen bleiben jeden Nachweis schuldig und dürfen nicht unwidersprochen bleiben.

Die Offene Akademie hat bei ihrer Gründung 2004 Prinzipien aufgestellt, seitdem angewendet und verteidigt. Sie steht für Wissenschaftlichkeit, Überparteilichkeit, weltanschauliche Offenheit bei Ausschluss faschistisch-rassistischer sowie religiös-fundamentalistischer Anschauungen, für eine demokratische Streitkultur und für finanzielle Unabhängigkeit. Dafür stehen unsere Beiratsmitglieder ein.

Im diesjährigen Programm sind Frau Prof. Dr. Helga Baumgarten, Hochschullehrerin an der Universität Birzeit in Palästina, eingeladen; sie referiert über „Ein halbes Jahrhundert Besatzung von Palästina“. Ebenso ist Frau Dr. Gabi Weber aus Freiburg zu Gast und wird zu „Meinungsfreiheit und Palästina“ vortragen. Beide werden auch zur Siedlungspolitik der Regierung Israels sprechen. Diese steht (auch bei Teilen der israelischen Bevölkerung) in der Kritik, weil nach Ansicht der Referentinnen die palästinensische Bevölkerung gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wird. Sie problematisieren auch, dass Israel sechst-größter Waffenexporteur der Welt ist und ihren Thesen zufolge in den Kriegen gegen GAZA Tausende Palästinenser tötete.

Wenn der fzs-Vorstand diese Kritiker der israelischen Staatsführung des Antisemitismus bezichtigt, so ist das diffamierend und unwissenschaftlich. Beide Referenten legen Wert darauf, zwischen der Kritik an der Netanjahu-Regierung (die von vielen Israelis geteilt wird) und einer antisemitisch-rassistischen Diffamierung der Menschen jüdischen Glaubens und Herkunft zu unterscheiden.

Die Vertreter des fzs-Vorstands behaupten weiter, die Offene Akademie würde „Beiträge mit Nähe zu Verschwörungstheorien“ zulassen. Dafür liefert sie aber keinen Nachweis. Verschwörungstheorien sind Teil faschistischer und rechter Ideologien. Die Verunglimpfung als „Verschwörungstheoretiker“ wird seit den 1960er Jahren von Geheimdiensten wie dem CIA gegen fortschrittliche und kritische Wissenschaftler gewendet, um diese auszugrenzen oder zu unterdrücken. Dem Vortrag „Schattenmächte“ unseres Referenten Dr. Glunk unterstellt der „fzs“-Vorstand „Nähe zur Verschwörungstheorie“, weil dieser sich u.a. mit in der Öffentlichkeit unbekannten Treffen von Wirtschaftsverbänden mit staatlichen Behörden zur Aufstellung von Branchen-Regeln befasst. Nur: Was haben solche kritischen Thesen mit „Verschwörungstheorie“ zu tun? Und den Vortrag von Dieter Klauth „Hat der moderne Antikommunismus Stalin erledigt? Ein Widerspruch von Links“ sollte man nicht – noch dazu, bevor man ihn gehört hat – als „Stalinismus“ titulieren, wie das der fzs-Vorstand konstruiert. Dass sich Referenten auf der Offenen Akademie kritisch mit einem nach ihrer Ansicht rechtslastig geprägten Geschichtsverständnis über die Entwicklung der jungen Sowjetunion befassen, ist ihr gutes Recht. Vortrag und Diskussion zu diesen und anderen Themen stellen eine Bereicherung der diesjährigen Tagung dar.

Denn entsprechend unseren Prinzipien sind unsere Referenten hinsichtlich Weltanschauung und Parteizugehörigkeit unterschiedlich. Was uns verbindet, ist der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und das Prinzip einer kritischen, gleichberechtigten und solidarischen Diskussion von Wissenschaftler/Innen mit Menschen aus sozialen Bewegungen und Nicht-Akademikern – und das auf Augenhöhe. Wir wollen Lösungen. Und das gerade auch zu gesellschaftlich brisanten Fragen, die von der etablierten Wissenschaft ausgeblendet werden.

Wir kritisieren die Methode des fzs-Vorstands, ohne jeden Nachweis mit „in Stein gemeißelten Unterstellungen“ zu arbeiten. So etwa, wenn die Nähe von Referenten zum „BDS“ als „Beweis“ für „Antisemitismus“ genommen wird. Der „BDS“ betrachtet sich als eine Boykottbewegung, die sich schon in der Anti-Apartheidbewegung Südafrikas gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung eingesetzt hat. Sie fordert das Ende der israelischen Besatzung, den Abriss der Mauer, die vollständige Gleichberechtigung der arabisch-palästinensischen Bevölkerung und sie setzt sich auch für die Rückkehr und Schadensersatz für aus ihren Wohnungen vertriebene Palästinenser ein (4). Zur BDS-Bewegung gibt es im Kreis der Referenten und Teilnehmer der Offenen Akademie sicher unterschiedliche Ansichten. Aber was bitte soll daran „antisemitisch“ sein?

Die Offene Akademie hat sich immer gegen Faschismus, Rassismus und Nationalismus positioniert und darin ihre Grundsätze von Überparteilichkeit und weltanschaulicher Offenheit verwirklicht. Die Praxis des fzs-Vorstands untergräbt diese streitbare Wissenschaft und betreibt in den genannten Fragen Spaltung und Zensur. Überparteilichkeit und weltanschauliche Offenheit auf antifaschistischer Grundlage – in diesen Fragen ist Tobias Eisch vom fzs-Vorstand weit davon entfernt.

Wir haben uns einen Referenten vom „fzs“ gewünscht, weil dieser Verband in der Auseinandersetzung mit politischer Entrechtung und Bevormundung von Studierenden eine wichtige Diskussion führt. Warum ist dieser nicht für eine offene Auseinandersetzung über den israelischen Staat, über geheime Absprachen zwischen Wirtschaft und Politik oder über die Sowjetunion zur Zeit von Stalin? Das sind bedeutende Fragen. Sie gehören kontrovers, aber demokratisch diskutiert.

Bei unserer Offenen Akademie sind verschiedene Positionen legitim. Und der fzs ist weiterhin herzlich eingeladen, an ihr teilzunehmen. Er sollte den Mut aufbringen, sich auch hier dem gesellschaftlichen Mainstream zu widersetzen. Wer widersprechende Positionen unterdrückt, der ist im Übrigen gar nicht so „frei“, wie er sich nach außen hin gibt. Wir wünschen uns, dass der fzs-Vorstand seine Entscheidung überdenkt und korrigiert. Für eine Aussprache stehen wir gerne zur Verfügung.

Wir bitten Sie hiermit, diese Erklärung zu Ihrer Absagebegründung auf Ihre Homepage zu stellen.

Für den Beirat der Offenen Akademie
Peter Hensinger (Stuttgart)
Christoph Klug (Recklinghausen)
Prof. Dr. Josef Lutz (Chemnitz)

Quellen:

1) Programm der Offenen Akademie 2018, S. 22
2) siehe http://www.fzs.de/show/467669.html   – Abruf am 25.2.18
3) Uns liegt hierzu ein Schreiben eines ASTA-Vorsitzenden vor


Kategorie: 10. Offene Akademie 2018, Aktuelles, Offene Akademie kritisiert fzs

Weitere Artikel

Vorheriger Artikel: