Zur Lage der Betroffenen in Fukushima

Auszug aus einem Rundschreiben von Kazuhiko Kobayashi, 7.3. 2017

Die ganze Präfektur Fukushima, sogar auch viele einzelnen Orte in den umgebenden bzw. naheliegenden Präfekturen, sind im Grunde weit höher radioaktiv kontaminiert als der bisher gültige sogenannte unbedenkliche Sicherheitsgrenzwert von 1 mSv pro Jahr. Nun nennt die Regierung seit geraumer Zeit anstatt 1mSV den 20fach höheren Wert, nämlich 20mSv pro Jahr als neuen unbedenklichen Wert. Aber selbst dieser Wert wird in vielen Hot Spots in den genannten Gebieten locker übertroffen.

Man schätzt die Flüchtlinge, die seit dem SuperGAU bis jetzt außerhalb der Präfektur Fukushima geflohen sind, auf ca. 50,000. Das ist eine sehr geringe Zahl, wenn man die Bevölkerungszahl 2 Millionen von Fukushima kurz vor dem SuperGAU in den Vergleich zieht.

Ich stelle auch fest, daß die meisten von ihnen die jungen Mütter sind, die überdurchschnittliche Schulbildung haben und gewohnt sind, von Fakten ausgehend selbstständig und kritisch zu denken und sich nicht von der Propaganda der Regierungsseite beeinflussen zu lassen, und sich entschlossen haben, trotz größter finanzieller sowie familiärer und gesellschaftlicher Probleme aus Fukushima zu fliehen, vor allem, um ihre Kinder zu schützen. Und gerade von diesen mutigen und verantwortungsbewußten Müttern sind die meisten am härtesten getroffen und von der Öffentlichkeit in Stich gelassen. Sie leiden heute in großer Armut oft ohne Zukunftperspektive.

Viele von ihnen mußten alleine fliehen, während ihre Männer des Jobs wegen in Fukushima blieben und ihnen von ihrem Verdienst Geld schickten. Aber im Laufe der Zeit hat das lange getrennte Leben sie psychisch und finanziell extrem belastet und schließlich bei vielen von ihnen dazu geführt, daß ihre Ehen kaputt gingen. Dadurch gerieten solche Mütter mit ihren Kindern in eine hoffnungslose Finanzkrise und starke Depression. Das ist die Folge der verantwortungslosen, verbrecherischen Atompolitik Japans.

Schließlich haben sowohl die Regierung als auch TEPCO alle diesen Flüchtlingsfamilien, die nicht aus den unmittelbar AKW-nahen 20km -Evakuierungszonen stammen, in keinerlei Weise  finanziell unterstützt, obwohl, im Grunde genommen, das ganze Gebiet der Präfektur Fukushima und auch einige Umgebungsgebiete nach wie vor überall unzählige sogenannte Hot-Spot-Ecken mit bedrohlich hohen radioaktiven Strahlungswerten haben und daher, kurz gesagt, ohne gesundheitliche Risikos nicht bewohnbar sind.

„Das ganze Gebiet Fukushima ist sicher, dort zu wohnen, bestehen keine gesundheitlichen Bedenken!!!“ Das ist die tägliche Propaganda der Regierung, voller Lügen. Die für sie unbequemen Wahrheiten werden nach wie vor strikt verheimlicht…

Nun wird auch die fast einzige Unterstützung, die die Regierung und die Präfektur Fukushima bis jetzt diesen geflohenen Müttern und Kindern je nach Umständen gegeben haben, nämlich ihnen bestimmte Sozialwohnungen in ihrem Wohnort mietfrei zur Verfügung zu stellen, per Ende März dieses Jahres eingestellt. Regierung und Präfektur sagen nämlich: Fukushima sei sicher zu bewohnen, also kein Grund zur Flucht. Wenn sie dennoch weiter im Fluchtort bleiben wollten, sollten sie dann ab April entweder die Miete zahlen oder die Wohnung verlassen. Die Flüchtlinge und Bürgerinitiativen protestieren zwar dagegen und wollen die mietfreien Wohnungen weiterhin beanspruchen. Hierfür besteht aber kaum eine Chance.


Kategorie: Aktuelles, Stellungnahmen zur Reaktorkatastrophe in Japan

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