Versuchtes Berufsverbot an der Uni München

Die offene Akademie ist solidarisch mit Kerem Schamberger, gegen den der Verfassungsschutz Bayern ein Berufsverbot veranlasst hatte. Im Folgenden unsere Solidaritätserklärung:

Sehr geehrter Herr Schamberger,

mit großer Empörung haben wir vernommen, dass der VerfassungsschutzBayern ein de-facto Berufsverbot gegen Sie an der Universität München durchziehen will. Ihnen war eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter angeboten worden, nachdem Ihre Masterarbeit in Kommunikationswissenschaft mit 1.0 bewertet worden war. Sie verstehen sich als Marxist und Antifaschist und sind seit Jahren Mitglied der DKP München und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der AntifaschistInnen (VVN).

Offensichtlich versucht der Verfassungsschutz zu verhindern, dass ein fortschrittlicher Wissenschaftler seinem Beruf nachgehen kann und will damit ganz sicher alle einschüchtern, die fortschrittliche und kritische Wissenschaft betreiben und sich weigern, die vollständige Unterordnung des Wissenschaftsbetriebes unter die Interessen der Herrschenden zu akzeptieren. Laut Süddeutscher Zeitung hat der Verfassungsschutz nun „den Weg (für Ihre Anstellung) frei gemacht“, es sei nun sei die LMU München am Zuge. Vielleicht ein erster Erfolg der Solidarität, die Sie erfahren haben, aber kein Grund, darin jetzt nachzulassen!

Die Offene Akademie versteht sich selber als ein Forum kritischer Wissenschaft und Kultur. Regelmäßig führen wir Tagungen durch, auf denen Beiträge zur fortschrittlichen Wissenschaft aus vielen Bereichen, z.B. Umwelt, Politik etc., gehalten und diskutiert werden. Auf unserer Tagung in Stuttgart vom 25. – 27.11.2016 haben wir z.b. Vorträge wie „Grundsatzkritik an der Wegwerfproduktion“, „Genetische Strahlenfolgen bei Menschen nach Tschernobyl“ , „Fortschrittliche Wissenschaft im Visier der Geheimdienste“ oder Berichte über den Völkermord an den Kurden gehört und diskutiert. Überall werden wir darauf gestoßen, dass mächtige Kapitalinteressen und kapitalistisches Wirtschaften einen wirklichen gesellschaftlichen Fortschritt unmöglich machen, wir also offen sein müssen für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung weltweit.

Wir möchten Ihnen ausdrücklich unsere uneingeschränkte Solidarität bekunden und fordern ein Ende der geheimdienstlichen Einflussnahme auf universitäre Entscheidungen und Ihre Einstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Für den Beirat der Offenen Akademie:

    Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake, Physikerin (Hannover),
    Prof. Dr. Christian Joos, Physiker (Göttingen),
    Prof. Dr. Josef Lutz, Elektrotechniker (Chemnitz),
    Christoph Klug, Wissenschaftsjournalist (Recklinghausen),
    Dr. Rolf Gössner, Jurist (Bremen),
    Rolf Becker, Schauspieler (Hamburg),
    Prof. Cynthia Volkert, Physikerin (Göttingen),
    Traugott Nassauer, Kinder- u. Jugendlichenpsychotherapeut (Daaden),
    Peter Hensinger, (Stuttgart),
    Prof. Rolf Bertram, Physiker (Göttingen),
    Bernd Bittenbinder, Zahnarzt (Herdorf),

 

und 73 Teilnehmer der Tagung der Offenen Akademie in Stuttgart 25.-27.11.2016


Kategorie: 9. Offene Akademie Stuttgart 2016, Aktuelles

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