Hydrogeologische Gefahren durch Sonderabfallentsorgung der RAG

Friedrich

Der Biochemiker Dr, Harald Friedrich spricht am Samstag, 28.9. um 14:00 auf der Offenen Akademie. Er ist renommierter Abfallexperte und war zehn Jahre lang Abteilungsleiter im NRW-Umweltministerium für Abfallwirtschaft, Bodenschutz und Wasserwirtschaft. In einem vor kurzem erstellten Gutachten hat er aufgedeckt, dass durch die Einlagerung von Sondermüll in stillgelegten Bergwerken das Grundwasser im Ruhrgebiet und darüberhinaus hochgradig gefährdet ist.

In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ führt er aus: „Es handelt sich bei den eingelagerten Abfällen um das Giftigste vom Giftigen, was als Sonderabfall in einem mitteleuropäischen Land anfällt. Die Filterstäube aus Hausmüllverbrennungsanlagen stellen die Schadstoffsenke des Verbrennungsprozesses dar. Alle im Abfall enthaltenen Stoffe wie zum Beispiel die giftigen Schwermetalle Cadmium und Blei, die Krebs erzeugenden polyaromatischen Kohlenwasserstoffe und die bei der Verbrennung entstehenden Giftstoffe wie Dioxine und Furane werden in der Schadstoffsenke als Filterstaub abgeschieden. Es gehört schon eine gewisse Kaltschnäuzigkeit dazu, ein aufkonzentriertes Gift-Abfall-Gemisch einer Schadstoffsenke wieder großräumig in der Umwelt zu verteilen und möglicherweise riesigen Grundwasserleitern zugänglich zu machen.“

Als Ursache dieses Umweltfrevels führt er an: „Eine Tonne dioxinhaltiger Filterstaub ist zu damaliger Zeit zu Preisen zwischen 500 und 800 Mark in den dafür nach Abfallrecht zugelassenen Sonderabfalldeponien entsorgt worden. Die RAG hat mit ihrer nach sicherheitstechnischen Gesichtspunkten betriebenen „Billigvariante“ Millionensummen in dreistelliger Höhe verdient.“

Bei der Bevorstehenden Flutung der Bergwerke kann das Gift ins Grundwasser gelangen. „Wenn jedoch mit Eintritt des Endes der Steinkohleförderung im Jahre 2018 die Grundwasserabsenkung in den Bergwerken beendet wird, werden alle ausgebeuteten Steinkohlebergwerke zwischen Kamp-Lintfort am Niederrhein und Dortmund/Hamm absaufen. Diese Bergwerke stehen untereinander in physikalischer Verbindung, das heißt, eine große geologisch und wasserwirtschaftlich zusammenhängende Landmasse wird unter Tage wie eine riesige Anordnung von kommunizierenden Röhren miteinander in Verbindung stehen und über unterirdische Strömungen den wässrigen Inhalt der ausgebeuteten Bergwerke untereinander austauschen.“

Die Kosten einer Sanierung und Wiederförderung des hochtoxischen Mülls wären enorm. Dr. Friedrich sieht die Situation als „in ihren ökotoxikologischen Auswirkungen der Problematik mit der Altlast Asse in Niedersachsen vergleichbar.“

Auf der Offenen Akademie wird er seine Ergebnisse vorstellen. Eine Besonderheit der Offenen Akademie ist das Publikum, das von Wissenschaftlern über engagierte Umweltschützer, Vertreter von Initiativen, aber insbesondere auch Arbeiter umfasst, und wir erwarten auch Bergleute. Gerade Bergleute haben schon vor vielen Jahren die Untertage-Verklappung des Giftmülls mit eigenen Augen gesehen, viele waren bei der Prozedur selbst Schadstoffen ausgesetzt. Schon vor 1990 deckte die Bergarbeiter-Zeitung „Vortrieb“ die Einlagerung von Giftmüll auf. Aber die Kumpels wurden nicht ernst genommen. Es verspricht eine interssante Diskussion zu werden – jede Einheit der Offenen Akademie besteht aus 45 min Vortrag und 45 min Diskussion.

Dr. Friedrich selbst geht auf Distanz zu den Behörden, die diese Praxis geduldet haben: „Dazu kommt leider noch, dass die das Bergrecht umsetzenden Mitarbeiter der Bergbehörden nicht den im Vergleich mit anderen Behörden nötigen Abstand zu dem Antragsteller, dem Bergbautreibenden, haben. Die Mitarbeiter der Bergbehörden legen meistens ein Genehmigungsverhalten an den Tag, als seien sie lediglich vom Staat bezahlte Befehlsempfänger des Bergbautreibenden.“ Auch das Engagement gegen die Gefälligkeitswissenschaft und für eine fortschrittliche Wissenschaft ist ein Kernstück der Offenen Akademie.

Dr. Friedrich spricht am Samstag, 28.9. um 14:00 im Rahmen der Offenen Akademie. Veranstaltungsort ist der Kultursaal Horster Mitte, Schmalhorststr.1a, Gelsenkirchen.


Kategorie: 8. Offene Akademie Gelsenkirchen 2013, Aktuelles, Pressemitteilungen

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