Flutkatastrophe und Klimakatastrophe

Von Prof. Dr. Josef Lutz, 20.7.2021

Die schreckliche Katastrophe in Rheinland Pfalz und Nordrhein Westfalen ist die bisher größte Naturkatastrophe in Deutschland, titeln die Zeitungen. Allerdings ist der Begriff Naturkatastrophe nur teilweise richtig. Denn diese Katastrophe ist Teil der beginnenden Klimakatastrophe. Es war nicht allein die Natur.

Diese Klimakatastrophe ist nicht von der Natur, sondern von den Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen verursacht. Sie wäre vermeidbar gewesen. Klimaforscher weisen seit etwa 50 Jahren nach, dass diese Entwicklung einsetzt. Bereits 2013 zeigte ich in meiner Broschüre „Wie kann die Versorgung mit elektrischer Energie zu 100% aus regenerativen Quellen erfolgen?“, dass dies aus technischer Sicht innerhalb von 10 Jahren möglich wäre. Von diesen 10 Jahren sind jetzt acht vergangen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Netto-Stromerzeugung in Deutschland liegt heute bei etwa 50%, es wären schon fast 74 %, wenn der Zubau nicht von der Bundesregierung ausgebremst worden wäre, wie Prof. Bruno Burger vom Fraunhofer ISE Freiburg nachwies.[1] Dies geschah auf Eingabe der Unternehmerverbände und insbesondere der Energiekonzerne. Mit etwas Anstrengung wären also die 100% bis 2023 möglich gewesen. Wenn jetzt Regierungsvertreter und unsere Bundeskanzlerin ihr Mitgefühl mit den Opfern erklären, lassen sie weg, dass sie für diese Katastrophe teilweise mit verantwortlich sind.

Der Klimaschutz ist jetzt in aller Munde. Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzgesetz von 2019 zurückgewiesen, weil es keine „Fortschreibung der Minderungsziele für Zeiträume ab dem Jahr 2031“ enthält. Flugs verabschiedete die Regierung ein neues Gesetz. Deutschland soll bis 2030 seinen Treibhausgas-Ausstoß um 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 verringern, bis 2045 soll sogenannte „Treibhausgasneutralität“ erreicht werden,[2] wobei bei diesem Begriff zu befürchten ist, dass da zu Ungunsten der Umwelt verrechnet wird. Auch die EU-Kommission legt nach: mindestens 55 % Reduktion bis 2030. Aber: Es werden wieder nur Ziele erklärt, in der Praxis das Gegenteil gemacht. Die Maßnahmen zur Behinderung der regenerativen Energien (Vermarktungspflicht, Abstanderlass bei Windkraftanlagen) bleiben in Kraft. Als konkrete Maßnahmen in Deutschland ist ein Emissionshandel gedacht, womit den einschlägigen Konzernen noch die Möglichkeit weiterer Gewinne durch Handel angeboten wird. Und die von einigen geforderte erhöhte C02-Bepreisung belastet die Verbraucher, die Konzerne reichen sie an die Endverbraucher durch.

Die Offene Akademie hat mit ihrer Stellungnahme „Einspruch: Es gibt kein Restbudget mehr!“ die Unterschätzung der Klimakatastrophe aufgezeigt und die Methode angegriffen, vollmundig Ziele zu verkünden, ohne für deren Umsetzung wirksames zu tun. Zahlreiche Wissenschaftler und Einzelpersonen haben sie bislang unterzeichnet. Ich bitte alle Leser der Offenen Akademie, diese nun verstärkt in die Diskussion einzubringen, zu unterzeichnen und sie weiter zu verbreiten. Sie ist zur Gewinnung internationaler Unterzeichner auch auf Englisch verfügbar.[3]


[1] http://www.offene-akademie.org/?p=1385

[2] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/klimaschutzgesetz-2021-1913672

[3] http://www.offene-akademie.org/?p=1554


Kategorie: Aktuelles, Klimakrise - Stellungnahme der offenen Akademie

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